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ALAAF mit DÜXER CLOWNS
30 Jahre Düxer Clowns

„Häh?   Was soll das sein?    Düxer Clowns?“
Man darf dem Redakteur, aus dessen Mund diese Worte stammen, keinen Vorwurf machen, schließlich kommt er ursprünglich aus Dortmund. Und dass er die Düxer Clowns nicht kennt, hat wohl auch etwas damit zu tun, dass die WDR-Redaktion „Hier und Heute“ in Düsseldorf sitzt. „Irgendwas für Rosenmontag...“, hatte der Auftrag gelautet, „... mit Stimmung, Rumtata und so weiter.“ Aber bitteschön doch anders, „als die üblichen Karnevalssachen, die sonst im WDR laufen.“

Als Autor hat man jetzt ein Problem.
Denn die Themen, die man zu Karneval angehen kann, jene Themen mit „Stimmung, Rumtata und so weiter“, sehen eben exakt und genau so aus, wie alles andere, was an diesen Tagen im Fernsehen läuft. Jecke oder Narren, verkleidet oder nicht, alle unglaublich gut drauf. Eine Zwickmühle, spätestens dann, wenn man als Autor an die Abnahme denkt. Jenen Moment der Wahrheit nach vielen Tagen Arbeit, an dem der verantwortliche Redakteur nach erstmaliger Begutachtung des Film den Daumen hebt – oder eben nicht.

Der Gedanke an eine Reportage mit den Düxer Clowns kam erstmals auf während eines Krisengesprächs mit einem Kollegen, der schon seit einiger Zeit in Deutz wohnt. „Die sind klasse“, erzählte er, „wenn die in den Mathildenhof einziehen, ist das schon ein Erlebnis.“ Seine kleine Tochter könne ein Lied davon erzählen. Soso.

Solche Gespräche enden häufig darin, dass man das Thema wechselt, lieber noch zwei Kölsch bestellt und beim Trinken derselben darauf hofft, dass sich schon irgend eine Lösung für das Problem mit der Karnevalsreportage finden wird. Schließlich sind ja noch vier Wochen Zeit. In diesem Fall bestand jener Kollege aus Deutz jedoch darauf, im unmittelbaren Anschluss an das Kölsch, die Stammkneipe der Düxer Clowns aufzusuchen. „Die ist gleich um die Ecke.“ Nichts wie hin, und 20 Minuten und drei, vier Kölsch später war die Sache klar: Eine Karnevalsreportage ohne jene rot-weiß geringelte Truppe aus Deutz würde es in diesem Jahr im Westdeutschen Rundfunk nicht geben. Und dann war da ja noch dieser Redakteur in Düsseldorf : „Düxer Clowns? Na meinetwegen, Hauptsache mit Stimmung, Rumtata und so weiter.“
Wird gemacht, Chef!

Es ist immer ein Wagnis sich auf Themen einzulassen,
bei denen man vorher noch nicht mit eigenen Augen gesehen hat, was passiert. Aber das gehört zum Fernsehalltag. Am ersten Drehtag betritt man als Autor mit dem Kamerateam und einem leicht klammen Gefühl in der Magengegend eine Wirtschaft auf der „Schääl Sick“. Auf der anderen Seite der Tür erwarten einen Dutzende Menschen in rot-weiß gestreiften Nachthemden, die Gesichter, wie der liebe Gott sie schuf: ungeschminkt! Ein grausames Bild an Karneval. Aber genau darum soll es auch gehen in der Reportage: 
Wie wird geschminkt, warum so, warum nicht anders, wer ist überhaupt auf die Idee gekommen,
und warum stellt der Autor so blöde Fragen?

11 Uhr: Alle sind fertig und warten in der Kneipe, die Musikmaschine steht draußen. „Wenn gleich die Musik angeht, kommen bitte alle `raus. Wir werden das dann filmen.“ Die Musik geht an, keiner kommt `raus: So ist das bei Reportagen. Und der Autor weiß jetzt,
Karneval ist spontaner, lass die Clowns mal laufen. Die decke Trumm vorneweg und das Trömmelchen dabei, so geht es zunächst einmal quer durch Deutz. Man kennt die Clowns hier. Natürlich ist das in der Heimat anders als in Dortmund oder Düsseldorf. Aus den Fenstern winken die Leute und freuen sich,
dass es so etwas gibt. Die Kamera nimmt alles auf, der Autor wird ein bisschen entspannter,
denn das hier ist Stimmung, und zwar anders als man das kennt.

Es geht auf die andere Seite des Rheins, zum Dom, dorthin, wo die Touristen sind, mit den Fotoapparaten. Bilder von Düxer Clowns gibt es auf der ganzen Welt: Der rot-weiß geringelte Clown ist so etwas wie das Symbol für Köln und Karneval schlechthin. „Den Alter Markt werden wir übrigens großräumig umgehen“, hieß es im Vorgespräch. Schade, hat der Autor damals noch gedacht, denn dort ist ja immer die beste Stimmung. Denkste, besser ist es da, wo die Düxer Clowns sind.

Rein in die Kneipe, Musik machen, raus aus der Kneipe.
Und immer haben die, die schon vorher drin waren, hinterher richtig gute Laune. Das scheint ein Prinzip zu sein, und für die Kamera ist das auch wunderbar. Man kann zusehen, wie sich die Stimmung ändert, sobald die Truppe von der Schääl Sick auftaucht. In den Interviews erzählen einige Clowns etwas von „... großer Freude, dazu zu gehören.“
und „Wir sind alle gleich!“ Man nimmt es ihnen ab. Viele Clowns sind Mitglieder auch in anderen Karnevalsvereinen, doch wenn die Gruppe gemeinsam los zieht, sind alle nur hier dabei.

Drei Tage später.
Die Reportage ist geschnitten, die Abnahme steht bevor, und das Herz des Autors klopft wahrscheinlich hörbar für alle. Wie wird der Film ankommen, war das mit den Düxer Clowns nicht eine Schnapsidee und wird es morgen für den Autor noch Aufträge geben? Es wird!
Der Daumen weist nach oben. Über das Gesicht des Redakteurs aus Dortmund huscht ein Lächeln: Das ist ein schönes Stückchen Frohsinn, sagt er, und viel schöner, als dieses ganze Rumtata und Einerlei zu Karneval. Na prima, der Mann aus Dortmund in Düsseldorf hat es also immer schon gewusst und stellt noch eine Frage: „Wieso kennt die hier denn keiner, diese Düxer Clowns?“